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Wie LEDs 55 Millionen Wärmepumpen antreiben könnten
Bei Licht lassen sich noch 30% Potenzial heben.
Hi Cleantechie!
Diese Newsletter-Ausgabe erreicht dich vielleicht am Schreibtisch, ich aber sitze hoffentlich Espresso-schlürfend auf einer Piazza, wenn sie rausgeht.
Ich habe Urlaub. Das bedeutet, dass diese Woche keine guten Links und News kommen. Das hole ich wie immer nächste Woche in einer Sonderedition nach.
Dafür habe ich einen interessanten Gastautor gefunden.
Denn wenn wir an Cleantech denken, denken wir an die großen Maschinen, die innovativsten Ansätze, an beeindruckende Technik. Dabei haben wir bereits eine der größten und erfolgreichsten Cleantech-Revolutionen durchlebt, die die Welt bisher gesehen hat. Sie begann vor fast 20 Jahren und lässt sich heute in jedem Wohnzimmer beobachten: der massenhafte Austausch alter Lampentechnik durch neue effiziente LEDs.
Es wirkt, als ob die Geschichte damit zu Ende wäre.
Aber als ich kürzlich mit Markus Helle, Chefredakteur der Fachzeitschrift „Highlight“, sprach, wurde mir klar, dass das nicht stimmt. Bei Licht gibt es noch viel Einsparpotenzial, wie uns Markus in diesem Gastbeitrag zeigt. Der Lampenhersteller Signify schätzt, dass sich 55 Millionen Wärmepumpen in Europa mit der eingesparten Energie betreiben ließen, wenn auch die letzte Leuchte auf LED umgestellt wird!
Hier findest du Markus Helle auf LinkedIn. Dort postet er immer wieder News zu Licht und Beleuchtung. Sein Magazin gibt auch einen Newsletter heraus. Hier anmelden.
Bei Licht lassen sich noch 30% Potenzial heben
Eigentlich sollte man meinen, fast alles ist getan. In den Wohnungen sind ineffiziente Glühlampen auf LED umgestellt, im Supermarkt sieht man auch nur noch LEDs in den Regalen und auf der Autobahn blenden die LED-Scheinwerfer im Rückspiegel. Selbst immer mehr Straßenlaternen leuchten mit LEDs.
Die Umstellung auf LEDs war ein guter, öffentlichkeitswirksamer Schritt in der Energiewende, der die Effizienz der Lichterzeugung entscheidend gesteigert hat. Eine LED-Birne braucht im Schnitt um die 80% weniger Strom als eine alte Glühlampe.
Vergessen sind die Zeiten, als 2007 die matte 100-W-Glühlampe glorifiziert wurde, in Vorbereitung auf die ersten Ausphasungen. Die Lampe ist noch heute als Ladenhüter auf Ebay erhältlich. Damals wurde ernsthaft darüber diskutiert, ob nicht die Heizwirkung dieser Lampe in einer Wohnung zum Beispiel in Schottland klimafreundlicher wäre als die Energieersparnis durch das effizientere Licht (Spoiler: Nein).
Weltweit haben sich die Effizienz-Initiativen durchgesetzt. Sie haben mit dem Umweg Kompaktleuchtstofflampe (vulgo Energiesparlampe) zu LED-Lampen geführt. Diese kosten heute im Laden kaum noch mehr als die Glühlampen vorher und sind wesentlich effizienter.
Inzwischen gibt es für fast alle Beleuchtungsszenarien eine LED-Alternative und für bestehende Leuchten in fast allen Fällen ein Retrofit, mit dem man die bestehende Leuchte ledifizieren kann. Das betrifft die Beleuchtung zu Hause, auf der Straße und im gewerblichen Bereich, aber auch Autos, Flugzeuge und Spezialanwendungen. So wurde das Einsparpotenzial von rund 60% tatsächlich gehoben.
Also, alles klar? Nein. Denn während die erste LED-Revolution vor allem den Austausch ineffizienter Leuchtmittel vorantrieb, steht die zweite Revolution bereits in den Startlöchern. Sie basiert auf zwei Säulen:
Intelligente digitale Steuerung: LEDs ermöglichen eine präzise, bedarfsgerechte Beleuchtung
Flächendeckende Umstellung: Die letzten ineffizienten Lampen müssen noch ersetzt werden
Digital und steuerbar
Der große Vorteil der LED liegt darin, dass sie nicht nur deutlich mehr Energie in Licht umwandelt als die herkömmlichen Lampen, sondern dass sie digital steuerbar ist. Im Vergleich zur herkömmlichen Lösung ist das einfacher und genauer.
Die Digitalisierung der Beleuchtung ermöglicht es, das Licht noch genauer, nur in der notwendigen Menge und nur dann einzusetzen, wenn es auch gebraucht wird.
Das zieht sich ebenfalls durch viele Anwendungen, von der Kellerbeleuchtung zu Hause, die durch einen Bewegungsmelder gesteuert wird, bis hin zum Bürogebäude mit Präsenz- und tageslichtgeführtem Licht oder der Straßenbeleuchtung, die der Natur Lebensraum zurückgibt. Die Straßenbeleuchtung wird gedimmt, farblich angepasst oder einfach nach Bedarf geschaltet.
Der Einbau von LEDs war nur der erste Schritt. Diese Grafik des Industrieverbands Lighting Europe fasst die Vision zusammen. Zur Zeit befinden wir uns irgendwo zwischen LEDification und Human Centric Lighting, womit gemeint ist, Licht so zu verwenden, wie es dem Biorhythmus des Menschen entspricht.

Bereits 2016 zeichnete die Herstellervertretung Lighting Europe den technischen Weg der LED vor. Die Branche hat heute zwar den Anteil des Human Centric Lighting noch nicht in der Weise erreicht, wie hier vorhergesagt, dafür ist man in der Nachhaltigkeit etwas weiter gekommen als damals gedacht. Viele Ideen zum besseren Licht für den Menschen (was Human Centric Lighting bedeuten soll), wurden inzwischen technisch einfacher realisierbar und verschmelzen mit dem Bereich der intelligenten Steuerung.
All das wird durch die einfachere Steuerbarkeit in Verbindung mit besser entwickelter Sensorik möglich.
Es sorgt dafür, dass jetzt auf LED umgestellte Anlagen sich in kurzer Zeit amortisieren und komplett neue Anlagen gleich zu einem sehr effizienten Gebäude führen. Das Potenzial ist hoch: Es liegt bei rund 85% Einsparung gegenüber der herkömmlichen Vor-LED-Technik. Bei Ersatz von LED-Anlagen der ersten Generation lassen sich schon rund 30% einsparen.
Wirklich alles LEDidifizieren
Das Hauptziel muss aber sein, immer mehr alte Lampen durch LEDs zu ersetzen.
Denn Licht wird überall gebraucht. Auch wenn die LED wie ein No-Brainer klingt (und sogar ist), werden immer noch viele Beleuchtungsanlagen weiter herkömmlich betrieben, weil das Licht ja da ist, der Strom doch nicht so viel kostet oder immer was anderes etwas dringender ist.
Bei Milliarden Lichtpunkten, die noch nicht auf LED laufen, ist das dann auch viel Potenzial. Der Lampenhersteller Signify (ehemals Philips) schätzt, dass sich jedes Jahr 51 Millionen Tonnen CO₂ einsparen ließen, wenn wirklich alle Leuchten in Europa auf LED umgestellt würden. Wenn allein Deutschland alle seine Straßenlaternen umstellen würde, könnte es eine halbe Million Wärmepumpen mit der eingesparten Energie betreiben. Würde ganz Europa alle Leuchtpunkte umstellen, wären es 55 Millionen Wärmepumpen.
Die letzte Stufe der Effizienz-Ausphasungen der EU, die die Leuchtstofflampen im Jahr 2023 erfasst hat, brachte wieder etwas Schwung in die Projekte. Jetzt geht es den vielen Installationen an den Kragen, die mit dem Brot-und-Butter-Leuchtmittel Neonröhre (richtig: Leuchtstofflampe) betrieben werden.
Das birgt die große Chance, Logistikhallen, Messezentren, Bahnhöfe, Parkhäuser und viele Straßen mit neuer Technik auszustatten und so mehr Effizienz und mehr digitale Steuerbarkeit zu bekommen.
Auch diese Umstellung hat also begonnen. Aber sie läuft nicht ganz so flüssig wie erhofft. Denn viele Betreiber haben sich noch mit herkömmlicher Technik eingedeckt und auch der Handel verkauft noch Altbestände. Die werden aber in diesem Jahr nach Ansicht der Experten aufgebraucht sein.
Eine breite Auswahl an technischen Möglichkeiten bietet die Chance, noch erhaltenswerte Lichtinstallationen nachhaltig effizienter zu machen und neue gleich richtig auszustatten. Insgesamt wird damit noch weniger Energie für Licht benötigt, das Ganze aber für den Nutzer sogar besser: Mit der Digitalisierung der Gebäudetechnik wird Licht immer gleich mit optimiert.
Licht bleibt also ein Bereich mit Potenzial, auch wenn es gar nicht mehr ganz weit oben auf der Agenda der Effizienzsteigerung steht.
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