KI braucht viel Strom, aber zu wenige brauchen KI

Der KI-Hype bricht – mit einer schlechten und zwei guten Folgen für die Energiewende.

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Heute sezieren wir die ersten Anzeichen, dass der KI-Rechenzentren-Boom endet – eine wichtige Story für unser Energiesystem.

Let’s go!

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KI braucht viel Strom, aber zu wenige brauchen KI

Was du über KIs und Stromverbrauch wissen musst

  • Rechenzentren für KIs benötigen sehr viel Strom.

  • Die USA sind das Epizentrum des KI-Booms. Dort arbeiten bereits 5400 Rechenzentren. Diese benötigten vergangenes Jahr 21 GW, zehn Prozent mehr als noch 2023.

  • Analysten schätzen aufgrund solcher Zahlen den zukünftigen Strombedarf in den USA unterschiedlich. Im Mittel sind es 9 Prozent zusätzlich. So viel, wie derzeit die gesamte chemische Industrie des Landes braucht.

  • Die neuesten GPUs, Nvidias Blackwell B100, verbrauchen bis zu 1200 Watt. x.Ai hat bereits ein Rechenzentrum mit 100.000 GPUs gebaut

  • Kritiker fürchten, dass der KI-Boom die Klimaziele gefährdet und die Energiewende ausbremst.

Wo wir stehen

Die sogenannten Hyperscaler wie Amazon, Alphabet und Meta haben in den vergangenen Jahren immer mehr und immer größere Rechenzentren gebaut, um ihre KI-Modelle zu trainieren und die Nutzeranfragen zu bedienen.

Die Modelle sind dabei mit jeder Generation anspruchsvoller geworden und benötigen immer mehr Rechenleistung. Gleichzeitig haben die großen Tech-Firmen KI in alle ihre Anwendungen integriert und für Milliarden Menschen zugänglich gemacht.

Um deren erwartete Nachfrage zu bedienen, hatten sie im vergangenen Jahr ehrgeizige Ausbauziele für Rechenzentren vorgelegt.

Microsoft lässt fast lautlos eine Bombe platzen

  • Bereits im vergangenen Jahr wurden erste Zweifel laut, ob sich die Investitionen der Techriesen absehbar überhaupt rechnen können.

  • Nun hat Microsoft mehrere Vorverträge für neue Rechenzentren auslaufen lassen. Diese Verträge hätten 20 % der zukünftigen Rechenleistung des Konzerns bedeutet; etwas mehr als 1 GW. Diese Rechenzentren hätten so viel Strom wie vier Millionen E-Autos pro Jahr verbraucht. (Hier findest du Quellen und Aufschlüsselung.)

  • In einem Interview hat Satya Nadella, der Geschäftsführer von Microsoft, kürzlich vor „Überkapazitäten“ gewarnt und darauf hingewiesen, dass Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht sein müssen.

  • Coreweave baut KI-Rechenzentren und vermietet sie. Die Firma ging gerade an die Börse, aber zu deutlich niedrigeren Preisen als erwartet. $40 pro Aktie statt bis zu $55:

  • Die großen KI-Anbieter haben in den vergangenen Monaten die Preise für ihre besten Modelle stetig gesenkt.

  • Wollte Google bis vor ein paar Wochen noch $20 pro Monat für sein neuestes Modell, wird es das jetzt kostenlos anbieten.

  • Microsoft will eigentlich die gleiche Summe für seinen KI-Assistenten. Nun aber hat die Firma ihn all seinen Office-Kunden inklusive Preiserhöhung aufgezwungen, die auf $3 im Monat hinausläuft.

 🍏 Was ich denke

KI braucht viel Strom, aber zu wenige brauchen KI.

Diese Tabelle zeigt die Nutzerzahlen für verschiedene KI-Assistenten, aufgeteilt nach monatlich aktiven Nutzern auf der jeweiligen App und einzigartigen monatlichen Besuchern auf der zugehörigen Website (alle Daten von Similarweb/Ed Zitron).

KI-Assistent

Monatlich aktive Nutzer (App)

Einzigartige monatliche Besucher (Website)

OpenAI’s ChatGPT

339 Millionen

246 Millionen

Microsoft Copilot

11 Millionen

15,6 Millionen

Google Gemini

18 Millionen

47,3 Millionen

Anthropic’s Claude

2 Millionen

8,2 Millionen

Zum Vergleich: Im März 2023 besuchten 26 Millionen Menschen die Webseite des Mailanbieters Web.de.

Generative KI, wie sie gerade in den diversen Apps und Software-Tools angeboten wird, ist (noch) ein Nischenprodukt – jedenfalls im Vergleich zu den Smashhits des Internets, zu Suchmaschinen, Cloudspeicher oder sozialen Netzwerken. Daran ändert auch der aktuelle Ghibli-Trend nichts, der in einer Woche wieder vorbei sein wird.

Viele Investmentblasen der Geschichte haben eine Sache gemein: Es wird viel Geld in die Infrastruktur der jeweiligen Technologie gesteckt und es wird dabei immer zu viel Geld in die Infrastruktur der jeweiligen Technologie gesteckt.

So war es während der Kanal-Blase in Großbritannien Ende des 18. Jahrhunderts, der Eisenbahnblase in den USA im 19. Jahrhundert, und während der Dotcom-Blase im Jahr 2000.

Für die Klimakrise und die Energiewende haben die KI-Überkapazitäten drei Folgen:

  1. Der Bedarf der Tech-Riesen, am besten gestern neue Gaskraftwerke ans Netz anzuschließen, um Rechenzentren zu versorgen, wird kleiner. Gut für die Energiewende.

  2. Die Risikolust der Tech-Riesen, am besten heute noch neue, bisher unerprobte Energietechnologien zu finanzieren und ans Netz zu bringen, schwindet. Schlecht für die Energiewende.

  3. Der Preis von KI wird weiter einbrechen. Das kann helfen, neue Materialien, Rohstoffe und Muster zu entdecken, die wir brauchen, um die sauberen Technologien der Zukunft zu entwickeln und zu betreiben. Gut für die Energiewende.

Zweimal gut plus einmal schlecht macht: einmal gut! 😉 

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Die wichtigen News

Nachrichten, über die die Branche gerade spricht.

🔋 Batterietechnologie

  • Winzige, sichere Nuklearbatterie könnte jahrzehntelang Strom liefern (Der Standard)

  • Weltgrößte Redox-Flow-Batterie soll das europäische Stromnetz stabilisieren (Forschung und Wissen)

  • Moss Landing: Sicherheitsprobleme bei großen Batteriespeichern (Heatmap)

  • Ungarn hat ein Batterieproblem – und Deutschland zieht nach (Golem)

🌬️ Windenergie

  • Vattenfall baut Deutschlands größten Offshore-Windpark (Reuters)

  • Kann Offshore-Wind einigen Fischbeständen helfen? (Canary Media)

☀️ Solarenergie

  • Fränkischer Industriebetrieb plant Power-to-Heat-Anlage mit Wärmespeicher für überschüssigen Solarstrom (PV Magazine)

  • „Sonnenfell“ – Hundehalter können ihr Smartphone beim Gassigehen mit PV aufladen (Solarmagazin)

  • Österreich hat 2024 zehn Prozent weniger Photovoltaik-Leistung zugebaut (PV Magazine)

  • Trump beendet Solar-Genehmigungspause laut BLM (Heatmap)

♒️ Wasserstoff

  • Erstes Teilstück des deutschen Wasserstoffkernnetzes in Betrieb genommen (PV Magazine)

  • Deutschland zahlt erste Fördermittel für Wasserstoffpipelines (Hydrogen Insight)

🔧 Sonstige Technologien

  • Satelliten für den Neustart des Stromnetzes mit Erneuerbaren (PV Magazine)

  • Earth AI entdeckt unerwartete Mineralien dank KI (t3n)

  • Adidas darf nicht mehr mit Klimazielen werben – Urteil nach Klage der Deutschen Umwelthilfe (Spiegel)

  • Energie-Sharing in der Nachbarschaft: Pilotprojekt in Bakum (NDR)

📈 Marktentwicklung & Politik

  • Vonovia-Siedlung in Bochum als Vorzeigemodell für Energieeffizienz (WAZ)

  • Schwedische Regierung schadet den Klimatechnologie-Ambitionen des Landes, sagt Stegra (Sifted)

  • Klimathemen in S&P 500-Earnings-Calls gehen drastisch zurück (Bloomberg Law)

  • European Airlines fordern EU zur Lockerung der Klimapolitik auf (Financial Times)

  • EU genehmigt CO₂-Differenzverträge für Industrie (PV Magazine)

  • EU fördert 47 strategische Rohstoffprojekte (Europäische Kommission)

  • Trump stoppt Fördergelder für saubere Energie (AP News)

Jobs & Deals

💶 Differential Bio, Bioprozess-Optimierung, München – 2 Millionen Euro in Pre-Seed-Runde, angeführt von Ananda Impact Ventures und ReGen Ventures. Das Startup entwickelt eine KI-gestützte Plattform zur Optimierung von Bioprozessen. 4 Offene Stellen.

💶 Marvel Fusion, Kernfusion, München – €50 Millionen Euro in erweiterter Series-B-Runde, angeführt von EQT Ventures, Siemens Energy und dem European Innovation Council (EIC) Fund. Das Unternehmen arbeitet an laserbasierter Kernfusion als potenzielle Energiequelle der Zukunft. 10 Offene Stellen.

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